Geschichte und Informationen

Die Idee zur Gründung des Evangelischen Pfarrvereins in Baden e.V. soll einigen Pfarrkollegen auf einer Schiffsfahrt von Mannheim nach Speyer gekommen sein. Gegründet wurde der badische Pfarrverein dann am 28. Juni 1892 in Karlsruhe, d.h. er wird in zwei Jahren die 120. Wiederkehr seiner Gründung feiern können. Das Ziel der Gründung lag in der Förderung wissenschaftlich-theologischer Anliegen, in der Vertretung der „Standes“interessen sowie in der praktischen Solidarität für diejenigen Mitglieder, die sich in einer materiellen Notlage befinden.

Nachdem schon 1925 die zuvor eigenständige Kranken- und Sterbekasse in den Verein integriert worden war, entwickelte sich diese immer mehr zu einer der tragenden Säulen des Vereins. Seit mehreren Jahrzehnten übernimmt die Krankenhilfe des Vereins (ähnlich wie in Württemberg und der Pfalz) als Selbsthilfeeinrichtung die Absicherung der nicht von der Beihilfe abgedeckten Kosten im Krankheitsfall. Der Beitragssatz liegt bereits seit einem Jahrzehnt unverändert bei 7 Prozent des Grundgehalts. Das bedeutet, dass die besser Verdienenden auch mehr zahlen, während die Schwächsten auf diese Weise konkurrenzlos günstig abgesichert sind. Der Anteil für Aufgaben des Berufsverbandes beträgt 10 €.

Schon über viele Jahre liegt die Zahl der Mitglieder knapp unter 2.000, derzeit bei 1.980 Mitgliedern, je zur Hälfte etwa noch im Dienst bzw. im Ruhestand. Dies entspricht einem Organisationsgrad von ca. 90 Prozent. Der Anteil der Frauen unter den Mitgliedern liegt bei knapp 30 Prozent. Der Vorstand besteht aus 9 Personen. In den Kirchenbezirken wird der Pfarrverein durch je eine/n Bezirksvertreter/in vertreten, die zusammen den Erweiterten Vorstand bilden. Als Publikationsorgan des Vereins erscheinen monatlich die Badischen Pfarrvereinsblätter.

Wäre der badische Pfarrverein ein gewinnorientiertes Unternehmen, spielte er selbstbewusst in der Liga erfolgreicher mittelständischer Betriebe mit. Die Bilanzsumme liegt jenseits der 12-Millionengrenze, die Kapitaldeckung jenseits der 96-Prozent. Die Geschäftsstelle in Karlsruhe (ein Geschäftsführer und zwei Sachbearbeiterinnen) bearbeitet pro Jahr mehr als 7.000 Anträge, die durchschnittlich eine Erstattung von knapp 600 € zur Folge haben.

Das Klima zwischen Pfarrverein und Landeskirche ist traditionell erfreulich gut und durch eine stabile Wertschätzung und durch eine konstruktive Zusammenarbeit geprägt, in die auch die seit mehr als drei Jahrzehnten bestehende Pfarrvertretung miteinbezogen ist. Der derzeitige Vorsitzende der Pfarrvertretung ist zugleich der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Damit ist gewährleistet, dass Pfarrverein und Pfarrvertretung nicht gegeneinander ausgespielt werden können. Die eingeübten Formen der Kooperation können innerhalb der EKD nur als beispielhaft bezeichnet werden. Über Fragen die in allen Pfarrvereinen und –vertretungen eine Rolle spielen, haben in Baden zuletzt die Rente mit 67und die Konsequenzen der Studien von Prof. Bauer zur Belastung im Pfarramt Schwerpunkte der berufsverbandsbezogenen Arbeit gebildet.

Am jährlich vom Pfarrverein durchgeführten Tag der badischen Pfarrerinnen und Pfarrer mit regelmäßig mehr als 250 Gästen nehmen neben dem Landesbischof regelmäßig auch die Mitglieder des Kollegiums des Evang. Oberkirchenrates teil. Im Rahmen des PfarrerInnentages findet neben der Ehrung der OrdinationsjubilarInnen (in einem festlichen Abend sowie durch den Landesbischof in einem Gottesdienst) auch immer eine inhaltliche Hauptveranstaltung mit herausragenden Referenten statt. So konnten in den letzten Jahren etwa der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier, der damalige Intendant des SWR, Peter Voß, aber und der Biologe Hans Mohr sowie der Neurowissenschaftler Joachim Bauer, beide UniversitätFreiburg, gewonnen werden. In diesem Jahr wird Arnold Stadler der Referent sein.

Erwähnenswert sind auch die guten Erfahrungen mit gemeinsamen PfarrerInnentagen - zusammen mit dem Pfarrverein in Württemberg im Jahre 2007 in Villingen-Schwenningen sowie im kommenden Jahr zusammen mit dem elsässischen Pfarrverein in Straßburg. Aus der Idee auf einer Schiffsfahrt ist also das auch in schwerem Gewässer erprobte und trotz seiner Größe wendig gebliebene Pfarrvereinsschiff geworden.

Traugott Schächtele, Deutsches Pfarrerblatt 09 / 2010